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Dieses Gemälde aus dem Jahr 1594 zeigt - eingerahmt von einem effektvoll drapierten roten Vorhang, wie eine Thaterszene - zwei sehr schöne Damen, die bis zum Bauchnabel in einer Art Badewanne zu sitzen oder zu stehen scheinen. Für mich hat dieses Gemälde schon immer, seit ich es zum ersten Mal gesehen habe, einen großen erotischen Reiz ausgeübt.
Sanft und milchfarben schimmert die Haut dieser schönen Frauen. Die klassischen, ebenmäßigen Gesichter und großen, sanften Augen der beiden Frauen, die durch die sehr feinen Bögen ihrer Augenbrauen noch betont werden, der Ohrschmuck und die Hochsteckfrisuren ensprechen dem Schönheitsideal dieser Zeit und weisen darauf hin, dass es sich um Frauen des Hochadels handelt. Oder aber um antike Göttinnen, was aber in diesem Fall nicht gemeint sein kann, denn der anonyme Maler hat diese Szene in das häusliche Interieur verlegt, wie man es bei reichen und/oder adeligen Familien der Renaissance finden konnte: im Hintergrund sitzt eine nähende Dienerin, Zofe o.ä., deren modisches Samtkleid mit Spitzenkragen ebenfalls auf Wohlstand hinweist. Über dem großen (Marmor-)Kamin sieht man den Ausschnitt eines Gemäldes, das einen teilweise nackten (Männer?)Körper zeigt. Sozusagen ein Bild im Bild! Eine beliebte Technik der damaligen Malerei.
Für mich strahlt dieses Bild große Harmonie und Natürlichkeit aus. Dass die beiden Frauen nackt sind wirkt absolut natürlich und schön. Die dunkelhaarige Frau umfasst bei der blonden Frau mit Daumen und Zeigefinger sanft die Brustwarzen. Dies wirkt sehr intim und der Betrachter vermutet wohl zu Recht ein inniges und vertrauensvolles Verhältnis zwischen beiden Damen. Und mehr noch: es wirkt für mich auch durchaus erotisierend. Mir scheint, dass dieser Effekt vom Maler durchaus auch so gewollt ist, und dass er die Szene auch (wenn auch nicht ausschließlich) erotisch gemeint hat. Die fließenden Formen des Vorhangs, die (an antike Göttinnen-darstellungen) erinnernde Nacktheit der beiden Damen und das eindeutig erotisch gemeinte Portrait im Hintergrund sind für mich Hinweise darauf. Auch der relativ direkte Blick der beiden Frauen, mit dem sie den Betrachter ansehen und quasi mit hineinnehmen in die Szenerie. Dennoch ist diese Darstellung weit entfernt von allem Pornographischen.
Für den Griff an die Brustwarze gibt es einen konkreten historisch-medizinischen Hintergrund: es handelt sich um einen "Hebammengriff": durch bestimmte Griffe und Abtasten der Brust einer Schwangeren konnte die Hebamme (oder in diesem Wissen kundige Frau) den Zustand und die Entwickung der Schwangerschaft feststellen. Diese Geste findet man auch in manchen anderen historischen Gemälden.
Die eindeutige Botschaft dieses Gemädles ist also: die Frau rechts ist schwanger!
Um wen handelt es sich aber bei dieser Dame?
Es ist Gabrielle d'Estrées (1570-1599), die damals die Geliebte des französischen Königs Heinrich IV. war.
Das Gemälde zeigt sie mit einer ihrer (namentlich nicht genannten) Schwestern.
Dieser sehr populäre König hatte im Lauf seiner Regierung sehr sehr viele Mätressen (allein 23 offizielle!); aber ich denke, dass Gabrielle d'Estrées eine Sonderstellung einnimmt, denn er war relativ lange Zeit mit ihr zusammen, bis zu ihrem frühen Tod, und er hätte sie auch geheiratet, wenn seine damalige Ehefrau - Prinzessin Marguerite de Valois ("La Reine Margot") - der Scheidung zugestimmt hätte, was diese aus Eifersucht auf Gabrielle nicht tat.
Tatsächlich gebar Gabrielle 1594 - im selben Jahr, in dem das Portrait entstand - ihren und Heinrichs ersten gemeinsamen Sohn: César. Ein weiterer Sohn und eine Tochter folgten später. Gabrielle starb sehr plötzlich und unter mysteriösen Umständen, weshalb schon damals von Zeitgenossen ein Giftmord nicht ausgeschlossen wurde.
Der Schriftssteller Heinrich Mann hat in seinem großen zweibändigen historischen Roman über König Heinrich IV. ("Die Jugend des König Henri Quatre" und "Die Vollendung des König Henri Quatre", geschrieben 1935-38) der "liebreizenden Gabrielle", wie er sie dort nennt, ein literarisches Denkmal gesetzt. Mit eingearbeitet sind in diese Figur Züge von Heinrich Manns geliebter zweiter Ehefrau, Nelly Mann geb. Kröger.
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