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Pierre de Bouredeille Seigneur de Brantôme (1540-1614) lebte zur Zeit der französischen Valois-Könige. Er stammte aus altem Adel, war Offizier und als weitgereister Mann ein gefragter Diplomat und zu seiner Zeit ein bekannter Höfling, Gesellschafter, Erzähler und Schriftssteller an den vielen Adelshöfen seines Landes und am Königshof. Mit den "Größen" seiner Zeit war er bestens bekannt und hatte ein offenes und interessiertes Ohr für die vielen umherschwirrenden (erotischen) Skandalgeschichten seiner Zeit, welche er sammelte und in literarische Form brachte.
Auf diese Weise entstand sein bekanntestes Werk, "Das Leben der galanten Damen" (les dames galantes), das in seiner ersten Fassung um ca. 1584 fertig gestellt war aber erst einige Jahre später erschien.
Mit diesem Buch - eines der Klassiker der erotischen Weltliteratur - stellt sich Brantôme in eine literarische Tradition, die er in seinem Buch auch immer mal wieder erwähnt: Sammlungen von erotischen Kurzgeschichten, die damals sehr bekannt waren, wie der "Decamerone" von Giovanni Bocaccio (um 1350) und "L'Heptaméron" der Margarete von Navarra (veröffentlicht 1559).
Aufgrund von "Das Leben der galanten Damen" gilt Brantôme als einer der besten Gewährsmänner für französische Lebensart und Sitten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zumindest was den Adel betrifft, da er nur über diesen schrieb und nicht über die einfachen Leute. Dieser Umstand dürfte aber seine Erzählungen für den damaligen Leser umso interessanter gemacht haben. (Das selbe Phänomen kennen wir ja von heute: die "Klatschpresse" berichtet in erster Linie über den Adel, Prominente und über die "Reichen und Schönen", da ihre Leser angeblich am liebsten Berichte und Skandale aus diesem Umfelt, das wenig mit dem eigenen zu tun hat, hören bzw. lesen möchten).
Somit "verschonte" Brantôme auch die Königsfamilie nicht (nicht einmal die allseits geachtete und gefürchtete Königin Katharina von Medici).
Zwar gab Brantôme sich diskret und nannte seine Protagonisten nicht namentlich, dennoch dürfte es für die meisten der damaligen Leser sehr leicht durchschaubar gewesen sein, welche bekannte (adelige) Person des öffentlichen Lebens jeweils gemeint war. Und auch heute noch sind mit etwas historischem Hintergrundwissen die meisten Peronen, über die er berichtet, relativ leicht zu identifizieren.
Manche "Protagonisten" in "Das Leben der galanten Damen" kommen besser weg als andere. Dies gilt insbesondere für die Valois-Prinzessin und spätere Königin Marguerite (auch bekannt als "La Reine Margot"): Brantôme scheint ein großer Bewunderer dieser außergewöhnlichen Frau gewesen zu sein, denn er schreibt über sie stets mit großer Achtung und Respekt und lobt ihre Schönheit, Klugheit, Eloquenz, ihren unkonventionellen Lebensstil und nicht zuletzt ihr schriftstellerisches Talent.
Das Buch ist in sieben "Abhandlungen" unterteilt. Allein schon deren Titel klingen ziemlich aufschlussreich:
1. "Von den Damen, die der Liebe leben und ihre Gatten zu Hahnreien machen"
2. "Darüber, was in der Liebe am meisten befriedigt: das Gefühl, der Anblick oder das Wort"
3. "Über die Schönheit eins schönen Beines und über seine Reize"
4. "Über ältere Damen, die der Liebe ebenso pflegen wie die jungen"
5. "Über den Umstand, dass die schönen und ehrbaren Damen die tapferen Männer lieben und die tapferen Männer die mutigen Damen"
6. "Weshalb man niemals von den Damen übel reden darf, und von den Folgen, die daraus entstehen"
7. "Über die verheirateten Frauen, die Witwen und Mädchen, zur Erkenntnis dessen, dass die einen in der Liebe feuriger sind, und welche"
Im folgenden Blogeintrag gebe ich eine der erotischen Geschichten aus dem Buch wieder, die ich besonders anregend fand (ich muss ja sagen: auch ich stehe durchaus auf "dirty talking" beim sex!). Sie ist der fünften Abhandlung entnommen.
Brantômes Lebensgeschichte und sein Buch "Das Leben der galanten Damen" lieferten übrigens auch den Stoff für einen französischen Spielfilm aus dem Jahr 1990 unter der Regie von Jean Charles Tacchella : "Les dames galantes" (in Deutschland kam er unter dem Titel "Der kleine Tod der feinen Damen" in die Kinos). Brantôme, wurde von Richard Bohringer dargestellt, Marguerite de Valois von Marianne Basler und Isabella Rossellini spielte "Victoire".
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